Feuerschläger (Archiv)

Andre Gebien
Archiv
Feuerschläger (Archiv) - Feuerschläger

Wir bieten ja auch Feuerschläger in unserem Shop an (Feuerstein und Zunder folgen noch, da sind aber noch ein paar Experimente nötig).
Jetzt dachte ich mir, die sind ja schon ganz gut. Schaun ´mer mal, ob wir die noch besser machen können.
Damit ein Feuerschläger Funken schlagen kann, muss er aus gehärtetem, kohlenstoffreichem Stahl gefertigt sein. Je härter, je besser, dachte ich mir.

Also frisch an´s Teufelswerk!

Eine Nahaufnahme von meinem höchstpersönlich eigenem Feuerschläger, vor der Härtung. Deutlich sind die Riefen von der Benutzung zu sehen. Das ist zwar normal, ich wollte es aber besser.

Wir sind gerade umgezogen, d.h. weder meine Werkstatt noch meine (kleine und bescheidene) Schmiede sind zur Zeit verfügbar.  Also flugs meine gute, alte Zinkwannen-Esse („Washtube-Forge“) aus dem Abstellraum geholt und aufgebaut. Die ist sauschwer, aber das hält fit und bei diesem Dreckswetter auch warm.

Die Washtubeforge ist eine einfach herzustellende Esse. Man nehme eine Zinkwanne o.ä., stecke ein gelochtes Rohr hinein und alles schön mit Ytong und feuerfestem Zement ausfüllen. Gebläse dran und gib ihm :)

Hier nochmal eine Nahaufnahme, gut zu erkennen sind die Löcher im eingelassenen Stahlrohr:

Die Esse befeuere ich noch mit stinknormaler Holzkohle (Buchenholz), das reicht für die meisten kleinen Sachen und ist wesentlich verträglicher für Umwelt und Nachbarn als Fettnuss. Fettnuss ist gut zum Schmieden aber extrem schwefelhaltig, was zu lustigen, dichten, gelbgrünen Wolken beim Anzünden führt. Ein Geruch wie in der Hölle.
Mir gefällt er…

So sieht es dann fünf Minuten nach dem Anzünden aus, sobald ein bisschen Glut da ist, schmeiss ich das Gebläse an:

Noch ein bisschen ziehen lassen, es muss ein dickes Glutbett vorhanden sein, damit nicht allzu viel Sauerstoff auf das Werkstück geblasen wird. Dann rein damit:


Wieder gut mit Kohle abdecken, Gebläse drosseln und warten. Diesmal ging es wieder schnell, nach anderthalb Minuten sieht der Feuerschläger so aus:


Ziemlich unscharf, ist aber auch nicht einfach mit Zange, glühendem Stahl und Lichtbildzeichner
gleichzeitig zu hantieren.

Danach die Schlagkante ab in den Wasserpott zum schlagartigen Abkühlen. Zum Anlassen habe ich den Feuerschläger noch eine Weile auf der glühenden Esse liegen lassen.
Leute mit ein bisschen Ahnung vom Schmieden sehen sofort ein paar Fehler und können sich denken, was kommt. ich erkläre es nachher nochmal, zu meiner Entschuldigung muss ich sagen… mir fällt nix ein, Asche auf mein Haupt!

So, fertig.
Was ist passiert? Vereinfacht: Durch das Erhitzen wurde das Gefüge des Stahls verändert. Kohlenstoff wird gelöst. Durch das plötzliche Abkühlen, hat das Gefüge „keine Zeit“ in seinen ursprünglichen Zustand zurückzukehren. Es entsteht ein kubisch raumzentriertes Gefüge (Martensit), welches durch den Kohlenstoff verspannt ist. Der Stahl ist härter geworden. So hart, dass man damit Glas ritzen kann. Aber der Stahl ist jetzt auch so spröde wie Glas. Bearbeitet man das Werkstück nach dem Härten noch einmal (Richten) oder läßt man es gar fallen, kann (und wird!) es wie Glas zerbrechen.

Um den Stahl wieder bearbeitbar zu machen, muss man ihn anlassen (Tempern). Dabei geht Härte verloren, aber der Stahl ist wieder bearbeitbar. Die Resthärte kann man dabei genau festlegen: Anlasstemperatur, Anlasszeit, Anzahl der Wiederholungen etc., nachlesbar in Tabellenbüchern. Das habe ich mir bei meinen Stücken immer gespart und bin nach „Gefühl“ vorgegangen. War auch (durch Zufall, Glück, Kharma…) immer ganz gut  geworden.

Diesmal nicht, was mir ein kurzer Test offenbarte:

War kurz und schmerzlos, nach dem dritten Schlag mit einem leisem „Knack“ vorbei. Jaja, feixt ihr nur.

Demnach, jetzt zu den oben erwähnten Fehlern beim Anlassen:

    Der Schläger lag falsch herum, die gehärtete Außenkante lag aussen
    Viel zu weit weg von der Glut
    Zu kalte Außentemperaturen (3°C)
    Zu kurz, obwohl bei den obigen Fehlern hätte er auch noch fünf Stunden da rumfrieren können
    An dem Tag nicht zu Hephaistos gebetet…

Tja, so schnell kann es gehen. Es wird mir (und vielleicht auch Euch?) in Zukunft eine Lehre sein. Trotzdem werde ich es nochmal machen, die Funken waren einfach viel größer und schöner nach der Härtung. Wenn auch nicht für sehr lange. Beim nächsten Versuch werde ich den gehärteten Feuerschläger aber wohl im Backofen anlassen, das ist sicherer.

Zum Abschluß noch ein Foto von der Bruchkante. Damit hat es wenigstens noch was für das Lehrbuch gebracht.
Sehr schön sieht man die gussartige (nein es ist Stahl, kein Stahlguss!) Struktur des Martensits:

So, das war es für heute, bis zum nächsten Teufelswerk!

Kommentare

magenta:
Januar 29th, 2010 @ 18:34

Was mein lieber Freund vergessen hat zu erwähnen, ist die Tatsache, dass er mir, nachdem nun klar war, dass der Feuerschläger spröde geworden war, mir diese neue, unerwünschte Sprödigkeit… äh Sprödifizierung… Versprödung?!? auf unserem Fliesenboden im Wintergarten nochmals demonstrieren musste.
Und siehe da:
Der Feuerschläger war spröde.
UND hart, sehr hart, härter auf jeden Fall als unsere Fliesen.

Grummelnderweise den Lack zum Ausbessern suchend,

die magenta


Friedegard:
Januar 30th, 2010 @ 12:09

Achja, die Fliesen…
Wo gehobelt wird, fallen halt Späne, Schatz


Iagoba:

November 4th, 2010 @ 13:56

Great forge! I’m thinking in making another one like that…and make „Feuerschläger“ too

Ich can lesen Deutchs, aber sehr leise…


Friedegard:
November 5th, 2010 @ 09:24

Hi Iagoba,
If you have questions about the washtube forge, feel free to ask
Youtube channel of purgatory ironworks
Homepage of purgatory ironworks
And, not to forget:
Anvilfire
Have fun


Ute J.K. Bemsel:

Januar 1st, 2018 @ 16:21

War lustig zu lesen…tja, aus Fehlern wird man klug…
Meine Frage: ich habe vor x Jahren mal einen Feuerschläger auf einem Mittelaltermarkt gekauft… der Schmied zeigte mir das Feuerschlagen mit seinem eigenen; das sah ganz einfach aus! Zuhause klappte es nicht, egal, was ich auch anstellte!ich dachte dann natürlich, ich wäre zu doof dafür…aber später gab ein Trapper mir einen anderen, und da funzte es sofort…und der Trapper brachte aus meinem auch keinen Funken raus!
Kann man mit dem Ding noch was machen, außer es zur Freude späterer Archäologen vergraben?!


Friedegard:
Januar 2nd, 2018 @ 09:40

Hallo Ute,
Wenn ich den Feuerschläger nach dem Härten noch etwas im Ofen entspannt hätte, hätte der sicherlich auch etwas länger gehalten
Ob der ganze Aufwand lohnt, ist natürlich eine andere Sache.
Feuerschläger bekommt man ja auch recht günstig im Internet, z.B. auch bei uns: Feuerschläger.
Viele Grüße,
Friedegard
(André Gebien)